Wer ist Alwin, der magische Wohnwagen?

Vom Zufluchtsort zur Bühne für Alwins Welt.

Heute kennen viele Kinder Alwin, den magischen Wohnwagen, aus meinen Workshops. Für unsere Familie war er jedoch zunächst ein kleines Zuhause auf Zeit. Seine Geschichte begann im Frühjahr 2020 – in einer Zeit, die vieles verändert hat.

Auf die Idee, uns einen alten Wohnwagen zu kaufen, wären wir unter normalen Umständen wahrscheinlich nie gekommen. Im Frühjahr 2020 lebten wir mit unseren beiden kleinen Töchtern mitten in München. Gleichzeitig wurde unser Haus im Allgäu noch kernsaniert. Mein Mann arbeitete bereits dort auf der Baustelle, während ich mit den Kindern allein in der Stadt war. Kindergärten und Spielplätze waren geschlossen, Treffen mit Freunden kaum noch möglich.

Also kauften wir kurzerhand einen alten Wohnwagen und stellten ihn auf unser Grundstück am Weiher. Nicht, um mit ihm zu verreisen, sondern als kleines Zuhause auf Zeit, bis unser Haus fertig war. Wir gaben ihm den Namen Alwin. Damals war er für uns vor allem ein Ort, an dem wir als Familie zusammen sein konnten. Der Wohnraum war klein. Doch draußen begann unsere Freiheit. Der Garten und der Weiher wurden zu unserem erweiterten Wohnzimmer. Während mein Mann am Haus arbeitete, verbrachte ich unzählige Stunden mit unseren Töchtern draußen. Wir sammelten Steine, bastelten mit Naturmaterialien, malten und erfanden Geschichten. Mit einem selbst gebastelten Puppentheater aus einem Schuhkarton spielten wir kleine Abenteuer nach oder dachten uns Geschichten über eine kleine Fee und einen kleinen Wichtel aus. Vieles von dem, was heute zu Alwins Welt gehört, begann genau dort.

Und dann gab es diese eine warme Sommernacht. Unzählige Glühwürmchen schwebten über dem Weiher. So viele hatte ich zuvor noch nie in meinem Leben gesehen und bis heute nie wieder erlebt. Es war einer dieser magischen Augenblicke, in denen Fantasie und Wirklichkeit miteinander verschmelzen. Für einen Moment hatte ich das Gefühl, als würden kleine Feen ihren Zauberstaub über dem Wasser verteilen und jeden Augenblick könnte ein Einhorn zwischen den Büschen auftauchen. Ich glaube, genau diese Sommernacht war die Geburtsstunde des Zaubersees.

Als unser Haus schließlich fertig war, zog unsere Familie ein. Alwin blieb verweist. Mit der Zeit nutzten wir ihn immer seltener. Immer wieder überlegten wir, ihn zu verkaufen. Doch jedes Mal merkten wir, dass wir das einfach nicht konnten. In Alwin steckten zu viele Erinnerungen. Gleichzeitig entwickelte sich meine Arbeit mit Kindern weiter. In meinen Workshops entstanden immer neue Geschichten, Figuren und kreative Abenteuer. Und immer wieder führte mich der Weg gedanklich zurück an den Weiher und zu unserem alten Wohnwagen. Wenn hier so viele Geschichten ihren Anfang genommen hatten – warum sollte ausgerechnet Alwin nicht auch die Tür zu dieser Fantasiewelt werden?

Alwin im neuen Kleid.

Gemeinsam mit meinem Mann Christian und dem Graffiti-Künstler Jonas verwandelten wir den alten Wohnwagen mit viel Herzblut in Alwin, den magischen Wohnwagen. Alle Illustrationen auf dem Wohnwagen – Figuren, Blätter, Blüten, Sterne und viele kleine Details – entstanden eigens für Alwins Welt. Mithilfe eines Beamers übertrugen wir die Zeichnungen auf den Wohnwagen, bevor Jonas sie nach meiner Vorlage als Graffiti umsetzte. So wurde aus einem alten Wohnwagen nach und nach die Bühne für Alwins Welt. Heute lädt Alwin Kinder ein, seine magische Welt zu entdecken.

Für unsere Töchter ist Alwin bis heute ein kleines zweites Zuhause. An warmen Sommertagen wird dort gespielt, gebastelt, gelacht und im Weiher gebadet. Und wenn der Tag langsam zu Ende geht, möchten sie mit ihren Freundinnen am liebsten auch im Wohnwagen übernachten. Vielleicht fühlt sich Alwin deshalb bis heute so besonders an. Nicht, weil der Wohnwagen selbst magisch wäre. Sondern weil er Kindern einen Raum schenkt, in dem sie einfach Kind sein dürfen. Einen Ort, der ihnen gehört. Der zum Träumen, Verweilen, Spielen und Kreativsein einlädt.

In Alwins Welt hören Geschichten nicht auf der letzten Seite auf. Dort beginnen sie erst richtig. Die Figuren laden Kinder ein, mitzudenken, weiterzuspielen, zu basteln und ihre eigenen Abenteuer zu erfinden. Vielleicht beginnt deshalb bis heute jede Geschichte im Alwin. Denn lange bevor er Kindern die Tür zu einer Fantasiewelt öffnete, war er für unsere Familie bereits ein ganz besonderer Ort.

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